Interview mit Nicole Hartmann - CR Manager Social Compliance bei der Florett Textil GmbH & Co KG

UPJ: Guten Tag Frau Hartmann! Schön, dass wir heute zur Florett Textil, CSR-Risiken und auch dem CSR Risiko-Check sprechen. Können Sie uns Florett Textil kurz vorstellen?

Gern. Seit mehr als 35 Jahren ist die Florett Textil auf die Produktion und den Handel mit Textilien spezialisiert und arbeitet mit großen Einzelhändlern in Europa zusammen. Das Produktportfolio erstreckt sich über das gesamte Textilsortiment; von Damen- und Herrenoberbekleidung, über Baby-, Kleinkinder- und Kinderbekleidung, Sport- und Funktionsbekleidung bis hin zu Heimtextilien und Taschen. Unterstützt wird unsere Zentrale in Mülheim an der Ruhr durch eigene Büros in China und Bangladesch.

Die Florett Textil GmbH & Co. KG gehört der Mahnke Unternehmensgruppe an. Diese beliefert mit weltweit über 600 Mitarbeiter innen in Produktion, Logistik, Vertrieb und Verwaltung namhafte, internationale Einzelhandelsketten im Discount und Vollsortiment sowie Fachmärkte mit Gütern des täglichen Bedarfs.

UPJ: Vielen Dank! Wie geht man bei Ihnen mit dem Thema Corporate Social Responsibility um? Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich?

Als Textilimporteur liegt ein Hauptaugenmerk der Florett Textil auf dem Corporate Responsibility (CR)-Management. Die Thematik ist mittlerweile aus der Textil- und Bekleidungsindustrie nicht mehr wegzudenken. Neben einer nachhaltigen Sortimentsgestaltung und insbesondere dem Einsatz zunehmend nachhaltiger Materialien in den Produkten, bilden die Sicherstellung und Förderung von sozial- und umweltverträglichen Lieferketten aktuell die größten Herausforderungen für die Florett Textil auf diesem Gebiet.

UPJ: Können Sie uns noch mehr dazu erzählen, wie Sie mit diesen Herausforderungen umgehen?

Sehr gern. Die Sicherstellung von ‚Social Compliance‘ in den Lieferketten ist ein wichtiger Bestandteil des CR-Managements der Florett Textil und untrennbar mit dem Kerngeschäft verbunden. Das CR-Team ist für die Ausrichtung und Umsetzung des Social Compliance-Managementsystems verantwortlich. Zielsetzung ist es, durch den Aufbau von Wissen und mit der regelmäßigen Durchführung von Sozialaudits Transparenz und systematische Verbesserungen herbeizuführen und sicherzustellen. Die Begleitung der Fabriken erfolgt in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden in unseren lokalen Büros in den jeweiligen Produktionsländern. Der amfori BSCI Code of Conduct und der Bangladesh Accord sind dabei wichtige Standardgeber.

Als Textilimporteur liegt für uns ein weiteres Hauptaugenmerk auf den Aspekten des unternehmerischen Umweltschutzes und der nachhaltigen Sortimentsgestaltung. Durch den Einsatz des Rohstoffes Baumwolle fallen vor allem beim Anbau und in der Textilveredlung hinsichtlich der eigesetzten Chemikalien hohe Umweltbelastungen an. Diese gilt es zu minimieren. Kampagnen wie ‚Detox‘ von Greenpeace, an der die Florett Textil aktiv mitarbeitet, sowie der vermehrte Einsatz von nachhaltig angebauter Baumwolle tragen zur Gestaltung eines nachhaltigen Sortiments bei und sind sehr wichtig. Environmental Compliance bildet damit neben Social Compliance eine der Kernthematiken im CSR-Management der Florett Textil.

UPJ: Sie sind also in verschiedensten CSR-Bereichen tätig, da Sie mit unterschiedlichsten Themen konfrontiert sind. Was bedeutet CSR-Management für Sie?

CSR-Management ist für die Florett Textil, wie auch für viele andere Unternehmen, Risikomanagement. Im Zuge des CR-Managements werden unsere Wertschöpfungsketten unter Betrachtung einer Vielzahl ökonomischer, ökologischer und sozialer Fragen immer wieder intensiv analysiert. Eine wichtige Prämisse ist die Sicherstellung von Transparenz. Damit einher geht die große Herausforderung, alle Aspekte und insbesondere potenziell problem- und risikobehaftete Themenfelder und Entwicklungen im Blick zu halten.

UPJ: Ein Tool, was Sie für Ihr CSR-(Risiko-)Management nutzen ist der CSR Risiko-Check. Können Sie uns ein Beispiel geben wie Sie mit dem CSR Risiko-Check gearbeitet haben?

Der CSR Risiko-Check hat uns erst kürzlich dabei geholfen, wichtige, erste Hintergrundinformationen für potenzielle neue Lieferländer einzuholen. Mithilfe des CSR Risiko-Check-Tools haben wir einen guten und umfangreichen Einblick in die wesentlichen ökologischen und sozialen Aspekte für das betreffende Land auf Knopfdruck erhalten. Zudem ist es überaus hilfreich, dass spezifisch nach Produkten, Rohstoffen und Dienstleistungen gefiltert werden kann, da sich die CSR-Anforderungen in Bezug auf den Anbau und/oder die Produktion je nach Produkt mitunter stark unterscheiden können. Sehr hilfreich für die interne Bewertung der Informationen und die Argumentationsführung ist es zudem, dass für jedes genannte Risiko im Zuge des CSR Risiko-Checks Quellen aufgeführt werden, wie beispielsweise Informationen der UN oder Indizes aus anerkannten Rankings/Ratings.

UPJ: Das klingt, als ob Sie den CSR Risiko-Check sehr gut für Ihr Risikomanagement nutzen konnten. Was sind für Sie die Mehrwerte des CSR Risiko-Checks?

Eine Risikoanalyse in diesem Umfang mit hoher Zuverlässigkeit in Eigenrecherche zu erstellen, hätte einen hohen internen Ressourcenaufwand in puncto Zeit und Geld bedeutet. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), in denen die CSR-Budgets oft begrenzt sind, ist das Tool für eine Erstanalyse sehr hilfreich und empfehlenswert. Neben sozialen Aspekten, wie Arbeitsbedingungen, Korruption oder Zwangsarbeit und Menschenhandel, die insbesondere im Handel vordergründig im CSR-Bereich verfügbar sind, werden auch Informationen zu umweltrelevanten Aspekten wie Klima & Energie oder Boden- & (Grund-)Wasserverschmutzung dargelegt. Mit Hilfe der Analyseergebnisse des CSR Risiko-Checks konnte so unser Blick auf die Fakten in den verschiedenen Dimensionen des CSR-Managements geschärft werden. Es war ebenso sehr hilfreich, dass der CSR Risiko-Check für jedes Risiko auch Empfehlungen enthält, welche Maßnahmen von Unternehmen zur Prävention/Minimierung ergriffen werden können.

UPJ: Vielen Dank für das interessante Gespräch, Frau Hartmann!